„Wie viele Bilder bekommen wir denn?" Diese Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, und sie ist heikler, als sie klingt. Denn die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, und mehr ist nicht besser. Hier sind die Richtwerte, die Argumente dahinter und ein Weg, die Frage so zu beantworten, dass sie Vertrauen schafft statt Verhandlung auszulösen.
Die Richtwerte
Etabliert haben sich in der Branche etwa 50 bis 80 ausgewählte, bearbeitete Bilder pro Stunde Reportage. Das ergibt für typische Formate ungefähr diese Spannen:
- Standesamt mit kleiner Feier (3 bis 4 Stunden): etwa 150 bis 300 Bilder
- Halbtags-Reportage (6 Stunden): etwa 300 bis 450 Bilder
- Ganztags-Reportage (10 bis 12 Stunden): etwa 500 bis 800 Bilder
Wichtiger als die Zahl ist das Wort „ausgewählt". Fotografiert wird an einem Hochzeitstag ein Vielfaches davon, oft mehrere tausend Auslösungen. Die Lieferung ist das Ergebnis einer bewussten Auswahl, und genau diese Auswahl ist ein Teil deiner Arbeit, nicht ihr Abfallprodukt.
Warum „alle Bilder" niemandem hilft
Manche Paare wünschen sich alle Aufnahmen, aus Angst, etwas zu verpassen. Die Wahrheit: Niemand möchte 4.000 Bilder sichten, auf denen dieselbe Umarmung achtmal fast identisch zu sehen ist, Blinzler inklusive. Die Auswahl ist ein Geschenk an das Paar, sie erzählt den Tag als Geschichte statt als Datenberg. Ein guter Vergleich fürs Erstgespräch: Ein Album mit 80 großartigen Bildern rührt zu Tränen, ein Ordner mit 4.000 Dateien wird nie ganz angeschaut.
Formulierung, die funktioniert: „Ihr bekommt jeden wichtigen Moment und jede gelungene Variante, aber keine Doppelten, keine Blinzler und keine Testschüsse. Ich liefere euch den Tag, nicht meine Speicherkarte."
Transparenz schlägt große Zahlen
Statt mit einer möglichst hohen Zahl zu werben, nenne eine ehrliche Spanne und erkläre die Logik dahinter. Paare vergleichen Angebote, und wer „mindestens 1.000 Bilder" verspricht, konkurriert plötzlich über Masse statt über Können. Eine klare Aussage im Vertrag („mindestens X ausgewählte, bearbeitete Bilder, erfahrungsgemäß deutlich mehr") schützt beide Seiten und beendet die Diskussion, bevor sie beginnt.
Die Übergabe macht den Eindruck
Ob 300 oder 700 Bilder: Wie sie ankommen, prägt die Erinnerung an deine Arbeit. Eine chronologisch sortierte Online-Galerie führt durch den Tag wie ein Film, das Paar kann Favoriten markieren und die Auswahl fürs Album treffen, Gäste bestellen Abzüge selbst. Wie dieser letzte Schritt elegant läuft, steht im Artikel zur Bildauswahl fürs Album.
Kurz zusammengefasst
- Richtwert: 50 bis 80 ausgewählte Bilder pro Reportage-Stunde
- Ganztags-Hochzeiten liegen meist zwischen 500 und 800 Bildern
- Die Auswahl ist Teil der Leistung, nicht Zurückhaltung
- Ehrliche Spanne im Vertrag statt Masse-Versprechen
- Übergabe in einer Galerie, die den Tag als Geschichte zeigt
